Den Deich dicht gemacht

Maßarbeit: Patrick Pöhlmann (links) und Marcel Falb vom Städteservice beim Einsetzen von Leichtmetallelementen in das Deichtor der Mainstraße.

Erfolgreiche Hochwasserübung am Rüsselsheimer Mainvorland: Am vergangenen Samstag wurden die aus Modulen bestehenden Sperren gegen eine eventuelle Flut installiert. Der Städteservice Raunheim Rüsselsheim (STS) war mit neun Mitarbeitern und drei Fahrzeugen im Einsatz.


„Passt!“ rufen Patrick Pöhlmann und Marcel Falb zufrieden, als die Aluminiumbohle satt an ihren Platz rutscht. Das dicke Leichtmetallprofil mit der schwarzen Gummilippe gehört zu den aus Modulen bestehenden Rüsselsheimer Deichtoren. Sie werden bei Hochwasser des Mains in die beiden Deichscharten eingesetzt, die jeweils von der Mainstraße und der Dammgasse an den Strom führen. 

Derzeit ist der Pegelstand zwar nicht kritisch. Aber am vergangenen Samstag haben Teams von städtischem Ordnungsamt und Städteservice Raunheim Rüsselsheim (STS) trotzdem die Hochwasserbarrieren aufgebaut. Grund dafür war eine Hochwasserübung. Sie ist regelmäßig vorgeschrieben, erklärte Bereichsleiter Andreas Lanzrath von der Rüsselsheimer Stadtpolizei: Spätestens jedes fünfte Jahr müssen die Kommunen ein entsprechendes Training ansetzen. 

2019 war die Übung auf die Mitarbeiter von Stadt und STS beschränkt. Das Ziel: Sämtliche Abläufe üben und die Funktion der Elemente überprüfen. „Es hat aber auch schon deutlich größere Hochwasserübungen gegeben, bei denen dann auch Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, DLRG, Deichmeisterei und andere Organisationen mit eingebunden waren“, sagt Horst Dieter Baumgärtner. Das Thema Hochwasserschutz fällt in den Aufgabenbereich des Qualitätsmanagers beim STS.

Die Übung am Samstag zeigte: Die Sperrtore werden nach einem klaren Baukastensystem zusammengesetzt. Zuerst schraubten die STS-Mitarbeiter senkrechte Stützen im Boden fest. Diese haben zur Landseite hin massive Abstrebungen, welche im Ernstfall den Wasserdruck aufnehmen sollen. Seitlich in die Stützen werden die einzelnen Elemente des Hochwassertors eingeschoben. In der Mainstraße sind es zwei Felder, in der Dammgasse mit dem deutlich breiteren Durchlass sind es vier Felder. Eigentlich muss man diese Zahl sogar noch verdoppeln. Denn für höhere Sicherheit gibt es zwei hintereinander angeordnete Wände.

Dann wurden die Gummidichtungen in die Führungen eingesetzt, die sich an den Seiten der Deichtore befinden. Das geschah von Hand mit einer Metallspachtel und schnellen, präzisen Hammerschlägen. Schließlich wurden noch die speziellen Bodenteile gesetzt, dann konnte es mit dem Einbau der Sperren losgehen. Neu ist das Thema Hochwasserschutz in Rüsselsheim nicht. Davon zeugen die Aufnahmen der alten Deichsperre in den Sandsteinwänden des Deichtors in der Mainstraße. Damals wurden in diese Schlitze Holzbalken eingelassen - das Prinzip war ähnlich wie beim modernen Tor. 

Weil die Elemente aus Leichtmetall bestehen, braucht es bei der Montage der Deichsperren kein schweres Gerät. „Unsere wichtigsten Werkzeuge sind Gummihammer, Schraubenschlüssel und Erfahrung“, sagt Baumgärtner. Und auch lange Wege muss das Team des STS, dem an diesem Samstag Mitarbeiter von Kanalreinigung, Verkehrssicherung und Kraftfahrzeugwerkstatt angehören, nicht zurücklegen. Denn seit dem Bau des Mainblocks sind die Elemente direkt im Deich gelagert. Früher befand sich in dem Raum eine Pumpe. „Damals haben wir unser Material in Containern auf dem Gelände der Kläranlage deponiert gehabt und es im Ernstfall an den Main gebracht“, erinnert sich Baumgärtner.

Den Ablauf der Übung verfolge der Rüsselsheimer Ordnungsamtsleiter Thomas Heß zufrieden: „Es ist gut, dass wir ein so gut eingespieltes und engagiertes Team aus den Reihen des Städteservice haben“, sagte er am Samstag. „Wir legen Wert darauf, uns auf diese für die Sicherheit unserer Stadt so wichtige Aufgabe gut und sorgfältig vorzubereiten“, betonte auch Städteservice-Vorstand Jens Will im Rückblick auf die Übung.